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Grundlage: Die Veden

• August 8, 2011

Die Vedischen Schriften (auch Vedas oder Veden genannt) sind uralte Texte, die in der Sanskrit-Sprache verfasst wurden. Sanskrit gilt als die älteste aller systematischen Sprachen und wird von Linguisten weitgehend als der Ursprung aller indogermanischen Sprachen betrachtet. Die Veden umfassen komplexe Informationen über Theologie und Philosophie, aber auch über viele andere Bereiche des menschlichen Lebens wie Politik, Astronomie, Mathematik, Kunst, Architektur, Heilkunde, auch als Ayurveda bekannt. Die Veden sagen von sich selbst, dass sie apaurusheya sind, das heißt von nicht-menschlichem Ursprung. Sie sagen, am Anfang der Schöpfung habe der höchste Gott namens Vishnu das vedische Wissen an Brahma, das erste erschaffene Lebewesen innerhalb dieses Universums, weitergegeben. Brahma unterwies darauf seine Söhne darin, die es ebenfalls weiterreichten. So wurde dieses Wissen durch eine Schülernachfolge (parampara) heruntergereicht. Noch heute können wir Lehrer (gurus) finden, die einer solchen ungebrochenen Schülernachfolge angehören.

Weiter berichten sie, dass vor fünftausend Jahren der große Weise Vyasadeva (siehe Bild) die Veden in vier Teile gegliedert und darüber hinaus die dazugehörenden Geschichtsschreibungen dieses Universums wie die Puranas und das Mahabharata verfasst habe. Sein wichtigstes Werk ist das Srimad-Bhagavatam (Bhagavat-Purana), in dem viele Prinzipien oder Gebote für ein gottesbewusstes Leben niedergeschrieben sind. Das in der westlichen Welt bekannteste Buch ist wahrscheinlich die Bhagavad-gita (ein Teil des Mahabharatas). Die Bhagavad-gita gilt als die Essenz der Veden und wurde vor fünftausend Jahren auf einem Schlachtfeld namens Kurukshetra in Nordindien gesprochen. Der Sprecher ist Krishna, der von den Veden als die höchste Persönlichkeit Gottes bestätigt wird, der Empfänger ist der Gottgeweihte Arjuna, einer der Generäle dieses Krieges.

Die Bhagavad-gita wurde in der Vergangenheit und wird auch heute noch von vielen Denkern und Philosophen als ein Buch von hoher Weisheit wertgeschätzt. Die vielleicht berühmtesten Leser der Bhagavad-gita sind Persönlichkeiten wie Arthur Schopenhauer, Mahatma Gandhi und Albert Einstein. Was die Denker wohl am meisten fasziniert, ist, dass die Bhagavad-gita und die Veden Religion nicht als einen dogmatischen Glauben betrachten, dem es an plausiblen Erklärungen mangelt, sondern Spiritualität als eine echte Wissenschaft präsentieren.

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Der namhafte Sanskritgelehrte und Meister einer Jahrtausend alten spirituellen Tradition A.C.Bhaktivedanta Swami Prabhupada beschrieb die Veden in einem Vortrag wie folgt:

A.C.Bhaktivedanta Swami Prabhupada (1896-1977)

Die Veden – Wissen ohne menschliche Fehler

A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada
Aus einem Vortrag vom 6. Oktober 1969, Conway Hall, London.

Die Sanskritwurzel des Wortes Veda kann verschiedenartig ausgelegt werden, aber letztlich gibt es nur ein Ziel. Veda bedeutet Wissen. Alles Wissen, dem Sie sich aufschließen, ist Veda, denn die Lehren der Veden sind das ursprüngliche Wissen. Im bedingten Zustand ist unser Wissen durch viele Unzulänglichkeiten beeinträchtigt. Der Unterschied zwischen einer bedingten Seele und einer befreiten Seele besteht darin, daß die bedingte Seele vier Unvollkommenheiten unterworfen ist.

Erstens einmal machen wir alle Fehler. In Indien beispielsweise wurde Mahatma Gandhi als eine sehr große Persönlichkeit gefeiert, aber er beging sehr viele Fehler. Auch am Ende seines Lebens warnten ihn seine Mitarbeiter: „Mahatma Gandhi, gehe nicht zur Tagung nach Neu Delhi. Einige Freunde von uns haben gehört, daß Gefahr droht“ Aber er hörte nicht. Er bestand darauf zu gehen und wurde getötet. Sogar große Persönlichkeiten wie Mahatma Gandhi, Präsident Kennedy (es gibt ihrer so viele), machen Fehler. Irren ist menschlich. Das ist die eine Unvollkommenheit der bedingten Seele.

Eine weitere Unvollkommenheit: falsche Vorstellungen zu haben. Illusion bedeutet, etwas, was nicht ist, zu akzeptieren: Maya. Maya bedeutet das, was nicht ist. Jeder Mensch akzeptiert den Körper als das Selbst. Werden Sie gefragt, wer Sie sind, dann werden Sie sagen: “Ich bin Herr Müller, ich bin ein reicher Mann. Ich bin dieses, und ich bin jenes.“ All das sind sich auf den Körper beziehende Identifikation. Aber Sie sind nicht dieser Körper. Das ist Illusion.

Die dritte Unvollkommenheit ist der Betrugssinn. Alle Menschen betrügen ihre Nächsten. Auch wenn ein Mensch der größte Narr ist, tut er doch so, als sei er sehr intelligent. Obgleich schon gesagt wurde, dafl der Mensch sich in der Illusion befindet und Fehler macht, wird er dennoch theoretisieren: “Ich glaube, das ist so, und das ist so.“ Aber der Mensch kennt noch nicht einmal seine eigene Position. Er schreibt Bücher der Philosophie, obgleich er unvollkommen ist. Darin besteht seine Krankheit. Das ist Betrug.

Und letztlich sind unsere Sinne unvollkommen. Wir sind sehr stolz auf unsere Augen. Oft wird jemand herausfordernd sagen: “Kannst du mir Gott zeigen?“ Aber haben Sie denn die Augen, um Gott zu sehen? Sie werden nie sehen, wenn Sie nicht die geeigneten Augen haben. Wenn jetzt in diesem Augenblick das Zimmer dunkel wird, können Sie noch nicht einmal Ihre Hände sehen. Welche Sehkraft haben Sie also dann? Deshalb können wir nicht erwarten, dafl uns Wissen (Veda) durch diese unvollkommenen Sinne zuteil wird. Mit all diesen Mängeln des bedinge Lebens sind wir nicht imstande, irgendjemandem vollkommenes Wissen zu übermitteln. Wir selbst sind ja nicht vollkommen. Deshalb akzeptieren wir die Veden so, wie sie sind. […]

Die vedischen Prinzipien sind axiomatische Wahrheit, denn die Möglichkeit irgendeines Fehlers ist ausgeschlossen. In Indien beispielsweise gilt der Dung der Kuh als rein, und doch ist der Dung der Kuh Kot eines Tieres. Einmal finden wir in den vedischen Unterweisungen, daß wir uns sofort waschen müssen, wenn wir Kot berührt haben. Und dann wiederum heißt es, daß der Dung der Kuh rein ist. Wenn man den Dung der Kuh an einen unreinen Ort bringt, dann wird dieser Ort rein. Jetzt werden Sie einwenden, daß das ein Widerspruch ist. Und vom gewöhnlichen Standpunkt aus betrachtet ist es auch ein Widerspruch, aber es ist tatsächlich so. Eine feststehende Tatsache. In Kalkutta analysierte einer der führenden Wissenschaftler und Ärzte den Dung der Kuh und stellte fest, daß er alle antiseptischen Eigenschaften enthält.

Wenn man in Indien zu jemandem sagt: „Das mußt du tun“, so wird er entgegnen: “Wieso? Steht das in den Veden, daß ich dir widerspruchslos folgen muß?“ Es ist nicht möglich, die vedischen Unterweisungen auszulegen. Aber wenn man letzten Endes genau nachforscht, warum es diese Unterweisungen gibt, – wird man feststellen, daß sie alle ihre Richtigkeit haben.

Die Veden sind keine Zusammenstellung menschlichen Wissens. Das vedische Wissen hat seinen Ursprung in der transzendentalen Welt, in Krishna, dem Herrn. Die Veden werden auch shruti genannt. Mit shruti ist die Erkenntnis gemeint, die durch Hören erlangt wird. Es handelt sich nicht um spekulative Erkenntnis. Shruti, wird gesagt, sei wie die Mutter. Wir lernen sehr viel von unserer Mutter. Wenn wir, zum Beispiel, wissen wollen, wer unser Vater ist, wer kann uns das sagen? Unsere Mutter. Wenn die Mutter sagt: „Hier ist dein Vater“, dann müssen wir ihr glauben. Man kann unmöglich durch Experimente herausfinden, ob das nun tatsächlich unser Vater ist. Wenn Sie also etwas wissen wollen, was auflerhalb Ihres Erfahrungsbereiches liegt, jenseits Ihres experimentellen Wissens, jenseits der Aktivität Ihrer Sinne, dann müssen Sie die Veden akzeptieren. Es läßt sich unmöglich experimentieren. Es ist schon experimentiert worden. Es steht schon alles fest. Was die Mutter uns in diesem Falle sagt, muß als Wahrheit akzeptiert werden. Es gibt keinen anderen Weg.

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Im THE BHAKTI CLUB wollen wir vedische Grundsätze mit modernen Denkformen vergleichen und diskutieren. Wo gibt es Gemeinsamkeiten und wo bieten die Veden alternative Konzepte an?

 

Artwork: © BG Sharma, Mandala Publishing

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Category: Einführung

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